San Miguel Allende
Am Freitag nachmittag um 15 Uhr bekam ich einen Anruf von Andre dem russisch-deutschen Buchhalter aus Berlin, dass wenn ich in einer Stunde fertig wäre, wir zusammen mit Freunden nach San Miguel de Allende fahren könnten.
Noch begeistert von dem letzten Roadtrip machte ich mich sofort ans packen, und fuhr mit dem Taxi zu Andre, wo auch Floren, ein Freund und Grafikdesigner aus Frankreich schon wartete. Natürlich brauchte unser mexicanischer Freund und Fahrer, Kimy Student und Clubbesitzer, länger als die veranschlagte Stunde. Gegen 19 Uhr sind wir dann aufgebrochen.
Den ersten Stopp hatten wir kurz hinter Monterrey, es war schon dunkel und an einem kleinen Häuschen inmitten der Landschaft hielten fast alle Trucks an, um sich ein wenig Sprit abzapfen zu lassen – Kimy meinte nur, ja das ist hier halt auch eine Währung. Wir holten uns ein wenig Wasser und Cafe, dann konnte die Fahrt weitergehen.
Auf einigen Abschnitten des Highways mussten wir eine „Quota“ eine Gebühr bezahlen, manchmal passierten wir Militärkontrollen, die uns alle mit alten deutschen Heklar&Koch G3 Gewehren im Anschlag durchwinkten..
Irgendwann inmitten der Nacht kamen wir dann auch in San Miguel an, die Stadt war noch voller Leute, denn es war ein Feiertag, speziell hier in San Miguel fand dieses Wochenende die San Miguelada statt, die sich seit den 80er wachsender Beliebtheit erfreut. Trotzdem versuchten wir noch ein Zimmer im Hotel zu bekommen, doch es schien alles ausgebucht. Eine kleine Pension gab uns die Karte einer älteren Frau, die uns wohl helfen könnte, nachts um vier riefen wir dann dort auch an und vereinbarten ein treffen für den nächsten morgen um acht. Gut dann hatte wir also vier stunden um die restliche party zu geniessen.
Im Stadtzentrum gab es ca 4 Kirchen, es war beeindruckend, immer noch waren viele Leute auf der Strasse. Für meine Augen ungewöhnlich war allerdings, dass auch viele auf der Strasse zu leben schienen. Auch Touristen, die keinen Platz im Hotel mehr gefunden hätten.
Kleine Gruppen spielten mit ihren Posaunen, Akkordeons und Trompeten polkaähnliche Musik auf dem grossen Platz vor der Kathedrale, inmitten des Platzes gab es einen grossen Park, auf den vielen Bänken tummelten sich alte und junge Leute mit Ihren Bierchen. Kleine Stände mit Tacos versorgten die letzten Partygäste mit nötigen Festnahrungsstoffen. Und ein wenig später kamen auch die Arbeiter von der Stadtreinigung, die ganz ohne Maschinen den Platz in rund 2 stunden wieder sauber gefegt hatten.
Kimy und ich blieben bis acht Uhr wach, während die anderen ein wenig im Auto schliefen, trafen wir uns mit der alten Dame, die eigentlich keine Wohnungen vermietete sondern verkaufte! Dennoch fuhren wir in ihren alten amerikanischen Strassenkreuzer durch die engen Gassen auf der suche nach einem Zimmer oder einer Unterkunft. Die Sonne war schon eine halbe Stunde über der Stadt und hüllte das Geschehen auf den Strassen in ein wunderbares Licht, zum Glück hatte ich meine Kamera dabei.
Nach 2 Stunden des Suchens, einem Cafe bei der Dame zu Hause, 8 oder 10 Hinterhöfen ohne freies Zimmer, fanden wir eine kleine pension, wo ich einen Deutschen traf. Er erzählte mir, dass er seit 1977 in Mexico lebt, und seit 4 Jahren in diesem Dreckskaff. Dennoch schien er erfreut, mal ein wenig deutsch reden zu können. Jedenfalls der Bruder, des Nachbarn des Deutschen hatte dann noch ein freies Zimmer für uns. Es war weit auf dem Berg, aber dennoch in bequemer Nähe zum Stadtzentrum. Mit einem kleinen Innenhof und Garten, sogar einer Dusche mit Warmwasser. Wir sagten natürlich ja, auch der Preis von 600 Peso, umgerechnet ca 45Euro für uns alle war ok.
Nun war es schon fast um elf, als wir zurück in die Stadt kamen, tummelten sich schon viele Leute in den Strassen, die Absperrungen für das Bullentreiben waren schon aufgebaut und die Leute vom Cruz Rojo (Rotes Kreuz) hatten ihre Stationen besetzt.
Nach einem kurzen Fruhstück schnappte ich mir wieder meine Ausrüstung und mischte mich unter die Leute innerhalb der Absperrung. Alles schienen recht angespannt, einige probten jetzt schon ihre Fluchtmöglichkeiten, und viele sagten uns, wo die gefährlichsten Ecken sind…
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