die Stiere kommen.
Als dann gegen 13 Uhr der LKW mit Sicherheitskräften darauf und den gefährlichen Bullen drinnen endlich in die Strasse rollte waren die Menschenmassen in heller Aufregung, überall schrien sie, hüpften, pfiffen und pushten sich gegenseitig.
Nach einer kurzen Wartezeit erklang ein lautes Signal, die erste Box des LKW´s öffnete sich und die Menschen rannten davon. Ich fand Zuflucht unter dem LKW, allerdings waren hier so viele Menschen, dass ich nach kurzer Zeit ganz und gar darunter vergraben war, und mir fast schon langweilig wurde, weil ich nichts sah. Also bannte ich mir meinen Weg zurück in die Freiheit.
Als ich dann die ersten schwarzen Stiere aus der Nähe fotografiert, und die Verrückten sah wie sie Ihnen auf den Po klopften um dann kurz darauf durch die Luft gewirbelt zu werden.
Trotzdem konnte ich nicht aufhören zu fotografieren, es war etwas so Neues für mich, dass ich trotz der Angst, die ich spürte, meine Neugier und Leidenschaft zu fotografieren doch grösser war.
Der Albino Bulle.
Da kam er, der wildeste von allen Stieren, er war braun-weiss, ein AlbinoBulle, wenn er kein menschlichers Opfer fand, rannte er auch schon mal auf die schon schwächelnden anderen Bullen zu und rammte sie mit seinen Hörnern. Ich stand in einer Ecke, in halbwegs sicherer Entfernung, aber immerwieder rannten mir die Leute vor die Kamera, so dass kaum ein gutes Foto möglich war. Also ging ich ein wenig nach vorn. Ich beobachtete einen jungen Torrero, der mit freiem Oberkörper und rotem Tuch den AlbinoBullen gekonnt in die Irre führte, ich hockte mich hin um ein Foto zu machen, die Szene war zu schön, um schon wieder aufzustehen, die Bewegung des Torreros so weiche und geschmeidig, entgegen die des Bullen rauh und voller brutaler Kraft. Ich machte noch ein Foto, der Buller war gerade in das rote Tuch des jungen Mexicaners gerannt. Kurz danach sah er mich, schaute direkt in die Kamera, ich drückte ab, doch bemerkte, dass ich allein auf dem Platz hockte, und sich schon alle anderen hinter und neben mir in Sicherheit gebracht hatten. Was ich wohl auch hätte machen sollen, denn der Bulle kam auf mich zu gerannt. Ich hatte nicht viel Zeit, und machte eine schnelle Rolle auf dem Boden nach rechts, wo mir dann wieder schnell Leute halfen aufzustehen. Noch leicht geschockt, ging ich ein wenig in die Menschen, packte meine Kamera in die Tasche vor mir, und dachte mir es wäre dort vielleicht sicherer. In diesem Augenblick kam wieder der Albino Bulle direkt auf mich zugerannt, vielleicht wollte er noch merh Fotos vo sich haben, und rammte mit seinem Kopf meine Kameratasche, seine Hörner links und rechts von mir. Hinter mir standen Menschen die mich festhielten, damit ich nicht umfiel oder wohl eher, damit sie nicht getroffen werden, und viele riefen „No te muevas“ - Bewege Dich nicht. In diesem kurzen und doch endlos langen Augenblick fühlte ich keinen Schmerz, hörte nur wie etwas in der gepolsterten Fototasche ein Geräusch von sich gab.
Danach traf ich kurz Floren wieder, ich zeigte ihm das letzte foto, das ich gemacht hatte, er schaute mich an, und meinte, er hätte gern ein Foto von mir und dem Stier gemacht. Es sah wohl viel krasser aus.
Den ersten Schock überwunden kam der zweite, nein mir fehlte nichts, bis auf ein paar Schrammen und einem blauen Fleck war ich okay, aber als ich ein weiteres Foto machen wollte, funktionierte meine Kamera nicht mehr, ich konnte mir Bilder anschauen, doch der Auslöser war tot.
Die Trauerfeier
Nun gut, am Nachmittag hatte ich dann Gelegenheit meine Trauer zu verarbeiten. Kimy hatte zwei Magnumflaschen Bacardi Rum mitgebracht, mit jeweils 2,75 Litern hatten wir eine gute Grundausstattung um ein wenig zu feiern, wir drehten die Anlage des Autos auf holten ein wenig Eis und ein paar Cola und quatschten mit so ziemlich jedem, der bei uns vorbeikam. Innerhalb kürzester Zeit, hatten wir eine kleine lustige Gemeinschaft zusammen und schenkten fleissig aus.
Als wir dann noch eine Flasche Tequila holten, kam die Polizei. Nahm den Tequila und kippte ihn auf der Strasse aus, Andre versuchte noch sich darunter zu beugen um ein paar Tropfen aufzufangen. Ein anderer diskutierte wohl zu lang, jedenfalls wurde er in Handschellen abgeführt, keiner verstand wirklich warum.
Ein wenig eingeschüchtert verließen wir den Tatort und liefen zu unserer Unterkunft, wo wir alle erstmal ein gutes Schläfchen hielten und uns danach für die Nacht fertig machten. Nach ein paar Tacos konnte es wieder auf den Platz vor der Kathedrale gehen, wo wir plauderten und tanzten, diesmal ausgerüstet mit dem feinsten Wasser der Stadt. Doch schon um eins lag ich im Bett und schlief tief und fest.
Der nächste Morgen
Am Sonntag schien die Stadt leer, es waren kaum noch Touristen in den Strassen, und die kleinen Jungs und Mädchen, die ihre Kaugummis verkauften hatten ein schwierigeres Spiel als an den Tagen zuvor. Heute sah ich auch mehr alte Frauen in den Strassen, die um Geld baten. Wir machten einen Ausflug auf den Mercado de Artesania, wo wir viele Handwerksachen sahen und auch einige mitnahmen.
Am Abend fand dann vor der Kathedrale eine beeindruckende Possesion, ein Umzug für die Heiligen der Indios und Christen statt. Es war beeindruckend, wie sich Tanzgruppen, geschmückt mit Federn, begleitet von Trommeln und die Bräuche der Christen vermischen können. Gegen 12 Uhr haben wir dann San Miguel de Allende verlassen, und auf der letzten Gebührenstation des Highways, hatten wir kein Bargeld mehr, aber dürften trotzdem durchfahren. Um acht Uhr in der früh kam ich wieder in Monterrey an, und musste erstmal schlafen.
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2 comments:
Kann ich so nur zustimmen
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